Tunesische Sahara vom 21.12.2005 bis 5.1.2006

20. Dezember 2005
Ein Wintereinbruch am 18. und 19. Dezember hatte das Beladen des Autos zum unschönen Erlebnis gemacht. Dachaufbauten und Gepäck versanken im Schnee. Am Abfahrtstag begrüßt Regen den Touristen. Kaum vorstellbar, dass mich Sonne und Temperaturen um die 20 Grad erwarten. Bis dahin liegen aber mehr als 1.700km Autobahn und zwanzig Stunden Fähre vor dem Patrol und mir.










21. Dezember 2005
Das geplante Treffhotel bei Marseille hatte uns wenige Tage vor der Abreise einen „Korb“ gegeben. Gunther Schneider quält die Reservierungs-Hotline und ringt dieser freie Zimmer im Campanile-Hotel in Valence-Süd ab.
Nach winterlicher Anreise auf verschiedenen Wegen treffen wir uns hier in Frankreich. Erinnerungen an frühere Touren und gemeinsame Erlebnisse garnieren das Abendessen.
Knapp zweihundert Kilometer bis zum Fährhafen am kommenden Morgen lassen uns die Runde nicht bis in die Nacht ausdehnen.









22. Dezember 2005
Den Sonnenaufgang erleben wir auf der Autobahn nach Süden. Bitterkalt ist es an diesem zeitigen Morgen. Das ausstehende Team treffen wir in Marseille am Fährhafen. In grelles Sonnenlicht getaucht erwarten wir die Fähre nach Tunis. Das Leben stellt sich auf afrikanische Verhältnisse ein und verlangsamt sich. Die Gute Stimmung wird uns nach Nordafrika bringen. Und die Fähre natürlich.















24. Dezember 2005
Das Mittelmeer meint es gut mit den Reisenden. Spiegelglatt liegt die See unserer Fähre zu Füßen. Bereits Mittag erreichen wir Tunis. Der Charakter der See färbt auf die afrikanischen Grenz- und Zollbeamten ab: unkompliziert und zügig sind alle Formalitäten erledigt. Strahlend blauer Himmel und 15° C nehmen uns im Empfang.
Unser kleiner Konvoi passiert ohne Hindernisse Tunis in Richtung Hammamet. Im Ferienort liegt unser heutiges Etappenziel. Im Kreis der weihnachtlichen Pauschaltouristen fallen wir auf: wir lassen uns nicht animieren. Die Hotellobby ist weihnachtlich geschmückt, das Abendbuffet verwöhnt mit Reichlichkeit.





 



25. Dezember 2005
Strahlendes Blau überspannt unseren Transit von Hammamet nach Douz, dem Tor zur Sahara. Unser Weg führt uns heute durch die nordafrikanische Welt. Gelassene Menschen am Straßenrand und wagemutige Lkw-Piloten begegnen uns. Kaffeepause im tunesischen Straßenkaffee. Würziger Kaffee im Glas und der Duft frisch gegrillten Hammels zaubern eine eigene Welt herauf. Europäische Weihnachtbräuche scheinen unerreichbar fern.




 



26. Dezember 2005
Diese Nacht hat es die Heizung im Hotel etwas besser mit uns gemeint. Um neun Uhr rollen wir vom Hof des Hotels. Zehn Minuten später hat uns die Sahara umschlossen.
Kaffeestopp an einem Wüstencamp. Der Sand ist wie Asphalt an vielen Stellen. Amor, unser Führer, erklärt uns den regenreichsten Sommer der letzten Jahre in der Sahara. Der Himmel zieht sich langsam zu. Hohe Schleierwolken machen das Licht milchig.
Gunther Schneider beunruhigt unsere Reisegeschwindigkeit. Der feste Sand erfordert keine Bergeaktionen und macht die Gruppe schnell. Wir passieren die Tafelberge und bauen in einem Tal unser Camp auf. Vor Einbruch der Dunkelheit gibt es einen Begrüßungscocktail in der Wüste. Erstaunt erleben wir Regen in der Sahara. Die Tropfen trommeln auf das Gruppenzelt. Der Abend wird nicht so frostig, wie erwartet.





 



27. Dezember 2005
Die Sonne hat die Wolken vertrieben. Die Nacht war viel wärmer als erwartet. Das erste Auto hat Reifenpanne. Radwechsel vor dem Frühstück. Frühstück mit im Sand gebackenem Brot. Unser tunesischer Führer meint es gut mit uns. Wolken ziehen wieder auf. Ruckartig nimmt der Wind stark zu. Und die Temperaturen steigen an. Innerhalb von 30 Minuten um fast 5 Grad. Wir hoffen, dass sind keine schlechten Wetterboten für die nächsten Tage. Nach dem Campaufbau starten wir zu einem Kurzbesuch zu dem Tafelberg. Die sechs Kilometer sollten sich bei dem festen Sand problemlos in zwei Stunden hin und zurück schaffen lassen. Der Wind macht das Fahren schwer. Man erkennt die Konturen der Dünen nicht mehr. Eine Fahrspur zu finden wird fast zum Glückstreffer. Die Tafelberge belohnen die Mühe mit einem phantastischen Panorama.









28. Dezember 2005
Aufwachen mit Neumond. Er sieht ganz anders aus, als bei uns. Sterne übersäen den Himmel um halb sechs. Der Tagesanbruch ist noch weit.
Beim Frühstück verwöhnen uns dann tunesische Sonne und sehr angenehme Temperaturen. Wir passieren den Tounbaine in Richtung Süden zum kleinen Dkanis. Unsere Augen freuen sich an der Weite des Rouisset. Amor führt die Gruppe pflichtgemäß in südwestlicher Richtung zum großen Dkanis. Das weite Tal bietet Chance, die Autos laufen zu lassen. Die Dünen verleitet zum surfen. Wir treffen algerische Nomaden und Touristen beim Cameltrecking.
Der Tag verwöhnte uns mit dauerndem Sonnenschein und zwanzig Grad. Der Wind suchte sich eine andere Gegend und stand damit dem sommerlichen Empfinden nicht im Wege. Auch nach Sonnenuntergang verharrt das Thermometer noch eine Weile bei mehr als 15 Grad.









29. Dezember 2005
Spät erst wird es hell. Der Himmel hängt tief und grau. Erste Regentropfen klopfen auf Zelt und Autodächer. Beim Zusammenpacken besuchen uns zwei algerische Nomadenjungen. Sie bieten Fundstücke zum Kauf an. Ahnen nicht, dass sie Pfeilspitzen aus der Steinzeit in den Händen halten.

Unsere Auto schieben sich durch hohe Dünen vom Rand des Dkanis es Sghar in Richtung Südwesten. Der Regen nimmt zu und erinnert eher an den Herbst in Europa. Der Sand ist hart und schwer. Manchmal wird er regelrecht schlammig. Die Reifen wühlen den schweren Sand auf und die Autos erinnern jetzt an Touren durch ungarischen Schlamm. Unser heutiges Ziel erreichen Gruppen nicht so oft: der See des Rouisset. Der feste Sand macht das Ziel erreichbar. Der See mit seiner warmen sprudelnden Quelle liegt schließlich im strömenden Regen vor uns. Was uns eher betrübt ist in Wirklichkeit ein seltenes Naturereignis. Wir richten uns am See ein bis zum nächsten Morgen. In unserer Nachbarschaft campieren Endurogruppen aus Deutschland und Österreich.









30. Dezember 2005
Der Wind hat die Regenwolken vertrieben. Der Himmel ist wieder saharamäßig blau. Die Temperaturen steigen langsam wieder an. Sie werden heute wieder die 15-Grad-Marke erreichen.
Vom el Jedariet halten wir uns nach Süden. Sonnenüberstrahlte Dünen und weite Kessel, so weit das Auge reicht.
Kamelkarawanen begegnen uns: Nomaden und touristische Treckinggruppen. Erstere sind immer freundlich und winken. Zwei österreichische Familien mit einem Iveco-Bus kommen uns entgegen. Es bleibt uns ein Rätsel, wie sie die hohen Dünen überwinden wollen.
Eine Gruppe, die wir später treffen erzählt von chaotischen Zuständen auf der Fähre am 24.12. ab Genua. Dank Gunthers Planung blieb uns das erspart. Wir haben unsere Tourenplanung geändert und werden die Silvesternacht an einem Brunnen verbringen.













 


   
31. Dezember 2005
Überfrorener Sand begrüßt uns. Die Eiskristalle glitzern in der über die Dünen steigenden Sonne. Kaltes Büffet in einem alten Brunnenhaus. Unser Feuerwerk fällt klein aus. Das neue Jahr startet mit sternenübersätem Nachthimmel.

Silvestermenü a la Sahara:

Kaltes Buffet
Allerlei Fisch
Diverser Käse
Aufschnitt
Italienische Antipasti
Leberpastete

Hauptgang
Original tunesischer Kuskus

Dessert
Panna Cotta an piemontesischer Kirsche unter Sahne mit einem Hauch von Schokoraspel (Creation: Jürgen Schlachta)


In der letzten Nacht hatten sich Motorradfahrer in der Nähe verirrt. Eine am Talausgang campierende Gruppe erzählt uns diese Saharanews. Wir brechen auf in Richtung Douz. Nach Norden durchqueren wir einen breiten Dünengürtel, passieren den Nationalpark (der die Fahrt auf einer schottrigen Piste erheblich verlängert), nehmen an einem wenig romantischen aber mit Solarenergie betriebene Brunnen Wasser auf und rollen weiter. Kurzer Stopp an einem Internetcafe zur Aktualisierung der Reiseberichte. Unsere Fahrt hat länger gedauert, als geplant. Wir müssen in Dunkelheit einen kleinen Dünengürtel durchfahren, um unseren Partyplatz zu erreichen. Jeder weiß, dass man das nicht tut. Aber es macht allen Spaß! 




 
  
1. Januar 2006
Kurz vor sieben Uhr färbte sich der Horizont Purpur; die Sterne verlöschen und weichen grellem Sonnenlicht, welches Minuten später unser Camp überflutet. Zeitiger als verabredet stehen alle auf. Die Sylvesterparty war brav, für deutsche Verhältnisse. Frühstück im Brunnenhaus. Eisiger Wind beschleunigt dann die Beladung unserer Fahrzeuge.
Richtung Süden führt unser Weg zunächst Richtung Ksar Ghilane. Der Erg ist voll von Touristen.
Ungezählte Geländewagen aus Frankreich und Italien kreuzen unsere Bahn. Wir biegen ab und halten uns nach Südwesten Richtung Gour el Kleb. Traumhafte Dünenpassagen bringen uns zu unserem letzten Saharacamp bei den Tafelbergen des Gour el Mida.
Beim Campaufbau begleitet uns der Neumond der Sahara. Das unvergleichliche Abendlicht verabschiedet uns.



   
 


   
2. Januar 2006
Gute 80km legen wir zurück auf dem Weg in die arabische Zivilisation nach Douz. Der Morgen begrüßt uns wieder mit Wolken. Der Wind lässt die acht Grad wie Frost fühlen. Die Wolken lassen dem strahlenden Blau ab und an eine Chance.

Wir genießen die letzten Dünengürtel. Vor Erreichen der Piste wird der Weg schlecht und extrem hart. Mensch und Maschine werden auf Rüttelfestigkeit getestet. Ein paar Stoßdämpfer verweigern schließlich den Dienst. Wir erleben Autowerkstatt in Douz. Mit der sprichwörtlichen arabischen Freundlichkeit nehmen sich die „Mechaniker“ den Dämpfern und einem abgerissenen Auspuff an. Der Abend ist inzwischen über Douz hereingezogen. Die Werkstatt arbeitet freundlich weiter. Wir rüsten zur Abfahrt Richtung Norden am kommenden Morgen. Tschüß, Sahara!